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Geistiges Jucken: Wie Du lernst Impulse zu kontrollieren


Impulskontrolle lernen, Reiz Reaktions Pause, Umgang mit negativen Gefühlen

Wahrscheinlich kennst Du das: Irgendwer sagt irgendwas und in Dir schießt plötzlich Wut hoch, Blut rauscht in Deinen Ohren, Dein Magen knüllt sich zusammen und ehe Du Dich´s versiehst, schreist Du oder hast etwas gesagt, das Du so eigentlich nicht sagen wolltest.

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass das Ganze eigentlich ein Missverständnis war...


Starke Emotionen scheinen wie aus dem Nichts aufzutauchen und es sieht so aus, als wären wir machtlos gegen die Handelsimpulse die diese oft begleiten.


Das stimmt aber so nicht ganz:

Einer Emotion geht immer eine Bewertung (ein Gedanke) voraus. Darauf folgt eine Reaktion.

Das geht oft ganz unbewusst und so schnell, dass wir das, wenn wir nicht achtsam sind, nicht bemerken.


Reiz → Bewertung (Gedanke) → Emotion → Reaktion

Mit Achtsamkeit kannst Du lernen diesen automatisierten Ablauf zu bemerken, ihn zu beobachten und bewusst anders zu handeln.

Du schulst gezielt über verschiedene Übungen Deinen inneren Beobachter. Und zwar nicht nur in den Übungen - Ziel ist es, ganz pragmatisch in Deinem Alltag so bewusst zu werden, dass Du Deine inneren Vorgänge wahrnehmen und angemessen reagieren, oder eben nicht reagieren, kannst.

Das sieht dann so aus:


Reiz → Bewertung → Emotion → Pause → angemessene Reaktion oder keine

Für mich wurde dieser Ablauf so richtig greifbar während meiner Meditationen:


Ich sitze und atme. Sammlungsübung. Gedanken. Rückholen. Atmen.

Ein Haar kitzelt mich auf meiner linken Wange.

Es juckt.

Ich hebe die Hand und kratze. Krrtkrrtkrrt.


Es war keine bewusste Entscheidung, es war einfach ein Impuls und meine Reaktion darauf.

Ich fragte mich ob ich wohl so einem starken Impuls widerstehen könnte und was dann passiert, also wartete ich während meiner Praxis auf das nächste Jucken...


Da!

Sitzen. Jucken.

Mein Geist klatschte in die Hände und ging in Beobachterposition.

Es kitzelte. Und juckte. Meine Hand zuckte.

Ich schlich um das Jucken herum und besah es mir von hinten.

Ich fühlte mich hinein und WAR das Jucken.

Aaaaaargh. ES JUCKT! TU WAS!!!

Ich zwang mich, innerlich schimpfend, die Hand unten zu halten.

Es war ein Kampf. "Ich bin zu blöd, mich im Griff zu haben."

Ich kratzte mich.


Erneuter Anlauf.

Sitzen. Jucken. Beobachten.

Atmen. Sitzen. Beobachten.

Juckjuck.

Ohne Anhaftung und in das Jucken einzutauchen. Ich blieb drumherum und stieg nicht in das Gefühl ein.

Meine Hand zuckte. Ich hielt sie unten.

Dieses Mal ohne Widerstand und Zwang. Einfach sanft, freundlich und beharrlich.

Atmen. Den Körper weich werden lassen.

Ich beobachtete weiter. Fühlte mich leicht und verschmitzt dabei und musste grinsen.

Es juckte und juckte, wurde stärker und schwächer und veränderte die Qualität ein wenig.

Spannend, wie viele Arten von Jucken so existieren!

Meine Hand lag entspannt auf meinem Oberschenkel und ich beobachtete.

Der Impuls zu kratzen war weg, obwohl es noch immer juckte.


Ich entschied mich letztlich doch noch zu kratzen. Ganz bewusst und genüsslich.


Selbstmitgefühl & raus aus dem Widerstand

Das, was einen tatsächlichen Unterschied machte, war meine veränderte innere Haltung.

Ich blieb bewusst "draussen" in der Beobachterposition und stieg nicht voll in das Gefühl ein (Identifikation).

Ich blieb aber auch freundlich mit mir (kein Schimpfen, kein Zwang, eine verständnisvolle und freundliche Haltung - dennoch ohne zu reagieren) und nahm den Impuls (Hand zuckt) einfach wahr.

Letzten Endes hieß ich das Gefühl sogar willkommen (Körper weich werden lassen, raus aus der Bewertung), das war der Punkt, an dem sich das gesamte Erleben entspannt hat.


Probiere aus. Spiele und nutze in der Achtsamkeit Deine Neugier und Wissbegier um zu ertasten, was für Dich ein guter Weg sein könnte, freundlich und liebevoll Veränderungen zu schaffen.























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